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Dortmund 06.09.08

Berichte Demos > 2008

Berichte zum 4. nationalen Antikriegstag

Quelle: Nationaler Widerstand Dortmund

4. nationaler AntikriegstagAm 6. September 2008 fand zum vierten Jahr in Folge die Demonstration zum nationalen Antikriegstag in Dortmund statt. Als Redner traten u.a. der ehemalige SS-Untersturmführer Herbert Schweiger und der nationale Aktivist Gottfried Küssel auf. An der Demonstration nahmen dieses Jahr 1340 Personen teil (letztes Jahr 500).


Bericht des Aktionsbüro Norddeutschland:

Dortmund: Nationaler Antikriegstag hat sich erfolgreich manifestiert

Dortmund, 06.09.2008. Mit der Durchführung des nunmehr vierten nationalen Antikriegstages hat sich diese Veranstaltung erfolgreich manifestiert. Weit über tausend Teilnehmer fanden dieses Jahr den Weg nach Dortmund, um gemeinsam ein Zeichen gegen den Imperialismus der globalen Hochfinanz zu setzen, welche die Völker in Kriege und Zinsknechtschaft treibt. Die Teilnehmerzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr weit mehr als verdoppelt, was sicher auch die Notwendigkeit des Themas für uns alle verdeutlicht.

Im Vorfeld hatten Veranstalter und Unterstützer eine aufwendige Vorbereitung betrieben, um das Thema auch in der Öffentlichkeit entsprechend zu vertiefen. In verschiedenen Städten fanden informative Veranstaltungen statt, es wurden alle gegebenen Möglichkeiten der Propganda genutzt - von Videos im Internet bis zu den klassischen Mitteln wie Flugblätter, Aufkleber und Plakate. Zuletzt gab es noch eine Vorabend-Kundgebung direkt am Dortmunder Hauptbahnhof, wo nochmals jeder Bürger die Chance hatte, sich abseits der etablierten Hetze über die Hintergründe der globalen Kriegstreiberei zu informieren.

Die Demonstration selbst stellte dann den Höhepunkt der ganzen Kampagne dar. Sie begann nach anfänglicher Verzögerung mit einer Auftaktkundgebung. Hervorzuheben ist hier die Ansprache von Kamerad Herbert Schweiger, der klar und deutlich die Zusammenhänge der mammonistischen Oneworld-Mafia offenlegte. Anschließend stellte Gottfried Küssel mit seinem Redebeitrag glänzend unter Beweis, daß er die hintergründige Ironie beherrscht wie kaum ein anderer. Gekonnt entlarvte er die Kriegs- und Terrorlügenpolitik der USA. Schade, daß dieser Rede nicht viel mehr Bürger und Anwohner hatten zuhören können, als dies am Antreteplatz Dortmund-Stadthaus möglich war.

Die Polizei soll aus nicht nachvollziehbaren Gründen angeblich Probleme damit gehabt haben, die “Sicherheit” zu gewährleisten, so daß der Abmarsch nicht wie geplant vonstatten gehen konnte. Irgendwann nach 15 Uhr setzte sich der Zug jedoch in Bewegung. Beeindruckend war zweifellos die große Menge an schwarz-weiß-roten Fahnen, die für einen herrlichen Anblick in den Dortmunder Straßen sorgten. Positiv ist auch der Einsatz von sehr vielen themenbezogenen, einfallsreichen Transparenten zu bewerten, wodurch unsere Forderungen noch besser in die Öffentlichkeit getragen werden konnten. Die Demonstration verlief im Großen und Ganzen recht problemlos, obwohl es immer wieder zu lokalen Reibereien mit Polizisten kam, die offenbar den friedlichen Gesamteindruck durch gezielte Provokationen stören wollten. Die beiden Zwischenkundgebungen, die jeweils auf sehr großen Straßenkreuzungen durchgeführt wurden, fanden entsprechend hohe Beachtung bei den Anwohnern.

Während des gesamten Verlaufes hielt sich die Zahl der Gegendemonstranten und die Wahrnehmbarkeit derer “Aktivitäten” am Rande schwer in Grenzen. Nicht einmal das Blockieren des S-Bahnbetriebes - wie noch am 1.Mai 2007 - wollte den kriminellen roten Banden gelingen. Mit ein paar Europaletten, die man verzweifelt zu entflammen versuchte, war den stählernen Bahngleisen nicht beizukommen. Ein intensives Befassen mit Feindkräften war also nicht nötig, was den Vorzug hatte, daß Veranstalter und Teilnehmer sich ganz der Ausgestaltung der eigenen Veranstaltung widmen konnten.

Kurz vor Ende der Demonstration ließ die Polizei dann ihre scheinkooperative Maske fallen und verhinderte mit massiver Gewalt, daß die Versammlungsteilnehmer den vereinbarten Endkundgebungsplatz betreten konnten. Ein nachvollziehbarer Grund dafür, daß die letzten paar Meter in diese letzte Straße vor dem Bahnhof Körne-West nicht mehr beschritten werden durften, war nicht ersichtlich. Es ist aber zu vermuten, daß die Polizei aus irgendeinem Grunde die letzte Gelegenheit an diesem Tag nutzen wollte, um doch noch eine richtige Eskalation herbeizuführen. Dies gelang jedoch nicht. Die Versammlungsleitung setzte die Fortsetzung der Versammlung zunächst kurzzeitig aus und erklärte die Versammlung wenige Minuten später mit einigen Dankesworten an alle Teilnehmer für beendet, da die Polizei offenbar nicht mehr gewillt war, sich an die Vereinbarung zu halten. Entsprechend deutlich wurde das Verhalten der Polizei zum Abschluß gebrandmarkt, ehe sich die Teilnehmer zur Abreise an den Bahnhof begaben.

Fazit: Der nationale Antikriegstag 2008 als diesjähriger Höhepunkt einer langfristigen Kampagne kann zweifellos als politisch, inhaltlich und organisatorisch erfolgreich bilanziert werden.

Bericht der Freien Nationalisten aus Gladbeck:

Dortmund: Vierter nationaler Antikriegstag ohne Probleme durchgeführt

Am 06. September jährte sich bereits zum vierten Mal die nationale Antikriegstagsdemonstration freier Nationalisten aus Dortmund. Nach zuletzt stetig anwachsenden Teilnehmerzahlen war die Herausforderung dies nun noch einmal auszubauen groß.

So betrieb man eine aufwendige und langfristige Vorbereitung zur Thematisierung des Imperialismus und zur Kriegstreiberei der internationalen Hochfinanz, die seit 1939 die freien Völker der Welt militärisch, wirtschaftlich und moralisch bekämpft.

Eine interne Mobilisierungsveranstaltung samt Rednern [siehe hier], sowie eine Vorabendkundgebung [siehe hier] zählten zu den größten Vorfeldaktionen. Mit mehr als 2.000 gehangenen Plakaten, 25.000 verklebten Aufklebern, sowie 35.000 verteilten Flugblättern wurde aber auch dem Bürger genügend Möglichkeit geboten sich vom ,,Antikriegstagsdenken“ der selbsternannten Demokraten zu lösen, welche seit Begehen des Tages lediglich den deutschen Verteidigungskrieg gegen Polen thematisieren, anstatt die Aggressions- und Angriffskriege von Amerikanern und Israeliten zu verurteilen.

Über einzelne Aktionen in den verschiedenen Städten gibt eine Zusammenfassung auf antikriegstag.org Aufschluss.

Anreise zur Demonstration
Nachdem auswärtige Antifaschisten im Jahre 2007 am 1. Mai in Dortmund Bahnschienen blockierten bzw. zerstörten, und somit mehrere Zehntausend Bürger daran hinderten öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, waren in diesem Jahr bereits im Vorfeld genügend Ausweichmöglichkeiten geschaffen worden. Doch erwies sich dies als unnötig, da der erneute Versuch zur Beschädigung der Bahngleise beinahe peinlich scheiterte. Drei gestapelte ,,Euro-Paletten“, die man verzweifelt versuchte zu entflammen, sollten nicht genügen um die Bahnschienen, die aus hochwertigen Stahl gefertigt werden, zu zerstören. Auch bei 400 solcher Paletten hätte sich der Schaden doch sehr in Grenzen gehalten.

Einige Antifaschisten aus Wanne-Eickel und Herne beschränkten sich lediglich einen Zug mit vermutlichen Nationalisten anzugreifen. Zumindest behauptete dies das linke Portal Indymedia. Dies geschah allerdings 2 ½ Stunden vor Beginn des Treffpunktes am Dortmunder Stadthaus. Trotzdem war dank des frühen Indymedia-Beitrages nun genügend Zeit die Aktivisten aus dem Ruhrgebiet auf den Vorfall hinzuweisen. So sammelte man sich spontan bereits etwas früher gemeinsam an einem der betroffenen Bahnhöfe, um gemeinsam die gleiche Strecke zu durchfahren. Rund 150 Kameraden hatten sich eingefunden, und nutzten nun die Möglichkeit durch Flugblätter, Aufkleber und Plakate an verschiedenen Bahnhöfen auf sich aufmerksam zu machen. Auf Antifaschisten traf man hier nicht, ebenso wenig am Dortmunder Hauptbahnhof.

Nach unseren Informationen verliefen alle Anreisen durchweg problemlos. Lediglich Autobesitzer, ohne Ortskenntnis, hatten das Vergnügen direkten Kontakt zur Gegendemonstration zu bekommen. Schaden erlitt niemand, zumindest nicht auf Seiten der Nationalisten.

Ablauf
Die eingeplante Abmarschzeit konnte auch dieses Jahr leider nicht eingehalten werden. Anscheinend waren örtliche Polizeikräfte, die wohl aus allen Einsatzhundertschaften des Landes NRW bestanden, nicht in der Lage die Sicherheit zu gewähren, da man sich in Unterzahl sah. Genauere Informationen wird es sicherlich vom Veranstalter geben.

Die Zeit wurde aber genutzt um bereits einigen Rednern die Möglichkeit zu geben, die in der Umgebung befindlichen Wohnungen mit Informationen zum heutigen Geschehen zu versorgen. So sprachen Herbert Schweiger, der bekannte nationale Publizist, sowie der süddeutsche Aktivist Gottfried Küssel. Besonders Herbert Schweiger wusste auf die wirklichen Hintergründe des internationalen Kapitalismus einzugehen, und eigentlich offensichtliche Zusammenhänge dem Bürger näher zu bringen. Seine Aussage war klar: Her mit einer neuen Geldordnung, weg mit Zins und Zinseszins. Aber auch Gottfried Küssel wusste mit durchdachten, aber auch provokativen, Passagen zu begeistern.

Nun bezog man langsam Aufstellung, verteilte Fahnen sowie Trageschilder, und machte sich zum Abmarsch bereit. Zu den genauen Zeitabläufen wird sicherlich auch der Veranstalter Stellung beziehen.

Die Demonstration kam bereits zu Anfang immer wieder ins Stocken, doch verlief es vorerst noch ohne Probleme. Nach ca. 1 bis 1 ½ Kilometern aber versuchten zwei übereifrige Polizisten immer wieder das Ende der Demonstration durch Fausthiebe und Tritte in die Beine nach vorne zu drängen. Ein älterer Herr, der nicht in der Lage war das Tempo der Polizisten zu halten, musste die Demonstration verübergehend verlassen, konnte dann aber von jüngeren Kameraden in die Mitte des Zuges geholt werden. Kurze Zeit später wurde ein Aktivist willkürlich von selbigen Polizisten festgenommen. Der Grund: Die Polizisten liefen derart schnell, dass sie immer wieder gegen die hinteren Reihen stießen. Als schließlich ein Polizist mit seinem Brustkörper den betreoffenen Kameraden nach vorne stieß, sah der benachbarte Polizist seine Chance dies als ,,Angriff“ des Kameraden zu werten. Er solle versucht haben dem Polizisten gegen den Brustkorb zu schlagen. Sofort stockte die Demonstration, und man wartete auf den Festgenommenen. Die Zeit nutzte man aus, um das Ende des Zuges neu zu formen. Mehre Ordner bildeten nun die letzte Reihe, hielten mehrere Meter Abstand zu den Demonstrationsteilnehmern und somit auch die Polizei auf Abstand.

Durch zwei schmale Unterführungen bot sich kurze Zeit später auch die Möglichkeit an die Teilnehmer das erste Mal zu zählen. Ergebnis: 1.340 Menschen.

Wenige Zeit später, nach ca. der Hälfte der Route, erreichte man den ersten Zwischenkundgebungsplatz auf dem Dortmunder Hellweg, einer der größten Straßen der Stadt. Hier sprach ein Engländer, sowie ein Tscheche, deren Reden von deutschen Kameraden übersetzt wurden. Nach einigen Musikbeiträgen und der Möglichkeit sich am Versorgungswagen zu erfrischen, ging es weiter Richtung Osten den Hellweg entlang. Auch hier gab es keine nennenswerten Zwischenfälle.

Nach ca. 1 ½ Kilometern auf dem Hellweg, führte man die letzte Zwischenkundgebung durch. Nun sprachen Christian Worch, ein Vertreter der autonomen Nationalisten aus den Niederlanden, sowie ein Vertreter des Bulgarischen Nationalbundes. Ob sich bereits hier darauf geeinigt wurde die Endkundgebung ausfallen zu lassen, kann vermutet werden, da alle Redner nun bereits ans Mikrophon getreten waren. Die Bahnstation ,,Körne-West“ war auch lediglich einige Hundert Meter vom Kundgebungsplatz entfernt, sodass lediglich eine Verabschiedung auf dem Endkundgebungsplatz stattfinden sollte. Kurz vor dem Einbiegen in den Platz allerdings kam es zu Übergriffen durch Polizeikräfte, die nun den Weg dorthin versperrten. Pfefferspray verhüllte in den vorderen Reihen die Sicht, viele Kameraden mussten an der Seite behandelt werden. Währenddessen versuchten die Polizisten einige Meter weiter hinten eine Schneise in die Demonstration zu ziehen, indem sie in die Kurve der Straße reindrängten, um somit den vorderen eingekesselten und angegriffenen Teil der Demonstration von den Übrigen zu trennen. Durch die Bildung von Personenketten konnte dies verhindert werden. Allerdings sei hier anzumerken: Wenn man eine Lücke in einer Kette lässt, um weiblichen Personen die Möglichkeit zu geben in der Mitte Schutz zu suchen, dann hat keine männliche Person diesen Frauen zuvor zukommen!! Wenn man mit einer derartigen Einstellung zu einer Demonstration kommt, sollte man doch lieber Zuschauer bleiben.

Nach einigen weiteren Minuten, in denen besonders die Medienleute und Ordner von den Polizisten ins Visier genommen wurden, löste man die Demonstration auf. Nach unseren Informationen kam es nun zu keinen Festnahmen mehr, ansonsten möge man uns berichtigen.

Die Abreise verlief, soweit wir wissen, auch ohne Probleme. Es folgte noch ein gemütliches Beisammensein von deutschen, französischen, bulgarischen und tschechischen Kameraden. Besonders erstaunt und begeistert war man, als die Franzosen zum Abschied den deutschen Kameraden ein Lied sangen. Es handelte sich um ein französisches Volkslied, welches einen hohen Stellenwert in Frankreich hat. Danach ließ man den Abend bei Diskussionen und ein paar Getränken ausklingen.

Gegendemonstrationen
Viel hatte man gehört seitens der Antifa, seitens des bürgerlichen Bündnis, oder den Stadtoberen, doch verhindern, oder auch nur behindern, konnten sie den gestrigen Antikriegstagsmarsch durch die westfälische Großstadt Dortmund nicht.

So verliefen bereits die Vorabendkundgebung, sowie vorangegangene Verteilaktionen, ohne Probleme. Bereits hier zeichnete sich allerdings das Unvermögen des ,,großen“ bürgerlichen Bündnis ab, welches in einer derart großen Stadt über verhältnismäßig wenig bis gar kein Mobilisierungspotenzial verfügte. So gesellten sich bei der Vorabendkundgebung lediglich einige wenige junge Israelfetischisten, zusammen mit den Grünen, an den Kundgebungsort.

Am darauffolgenden Tag verlief der antifaschistische Protest ähnlich mager. So waren lediglich an der Route wohnende Antifaschisten in der Lage in Sichtweite des Aufmarsches zu kommen. Die zur gleichen Zeit in der Innenstadt demonstrierenden Antifaschisten schafften es trotz üblicher Kleingruppentaktik nicht, auch nur den von der Polizei ihr zugewiesenen Raum zu verlassen. Insgesamt war die Gegendemonstration mit ca. 600 Menschen mehr als schlecht besucht.

Als abreisende Nationalisten im Anschluss an die Demonstration durch die Innenstadt mussten, weil die Polizisten in Körne nicht in der Lage waren eine zügige Abfahrt zu garantieren, traf man weder auf Antifaschisten, noch auf bürgerlichen Protest. Ein Abbild des Tages.

Bilanz
Die gestrige Demonstration kann in Sachen Vorbereitung, Vermittlung politischer Inhalte, Teilnehmerzahl, Organisation und konsequenter Durchsetzung des geplanten Ablaufes als voller Erfolg und Meilenstein im Westen betrachtet werden. Schwierig wird es nur, dies im folgenden Jahr noch einmal zu steigern. Aber wo ein Wille, dort ein Weg.

Freie Nationalisten Gladbeck

Bericht von Christian Worch:

Christian Worch: Manöverziel erreicht

Der wohl älteste Teilnehmer und zugleich der mit der persönlich größten militärischen Erfahrung wird Herbert Schweiger gewesen sein: Als Kriegsfreiwilliger der Waffen-SS und letztlich im Range eines Untersturmführers (Leutnant) war er vom April 1941 bis zur Niederlage 1945 im Einsatz. Sein Fazit der vierten Demonstration zum Antikriegstag in Dortmund am 6. September: „Damals beim Militär hätten wir gesagt: Manöverziel erreicht!“

Bestimmt können sich über diese lobenden Worte die ganz überwiegend jüngeren Teilnehmer und vor allem die Organisatoren freuen. Die Organisatoren hatten allerdings in der Tat noch mehr zu tun als sonst im Vorfeld beziehungsweise bei der Durchführung einer größeren Demonstration. Zusätzlich zu den sonstigen Aufgaben kam noch hinzu die Koordination und Betreuung ausländischer Kameradengruppen. Diese waren aus insgesamt sechs europäischen Nationen angereist: Belgien, Bulgarien, England, Frankreich, die Niederlande und Tschechien. Zu den insgesamt acht Rednern auf der Auftaktkundgebung und den zwei Zwischenkundgebungen gehörten Kameraden aus Bulgarien, England, den Niederlanden und Tschechien. Damit herrschte zwischen den nicht deutschsprachigen Rednern und den deutschsprachigen ein Verhältnis von genau eins zu eins. (Wobei unser holländischer Kamerad lobend zu erwähnen ist, weil er seine Ansprache in deutsch hielt; wegen der großen Ähnlichkeit beider germanischer Sprachen fiel ihm dies naturgemäß relativ leicht.) Berücksichtigt man, daß Herbert Schweiger und Gottfried Küssel als Bürger der Republik Österreich de jure auch Ausländer sind, obwohl sie dem deutschen Volke angehören, wäre insofern gesehen der Anteil tatsächlich oder pro-forma ausländischer Redner gegenüber den (bundes-)deutschen sogar drei zu eins gewesen. Die weiteren Redner waren Veranstaltungsleiter Dennis Giemsch und meine Wenigkeit.

Auch die Teilnehmerzahl überstieg die Erwartungen sowohl der Organisatoren als auch der Polizei. Bei der Auftaktkundgebung ging die Polizei von cirka tausend aus. Da gedrängt stehende Menschenmengen leicht unterschätzt werden, war ich geneigt, diese Annahme zu teilen. Bei einem Engpaß der Wegstrecke ergab sich jedoch gute Gelegenheit für eine genauere Zählung, und deren Ergebnis war 1.340 Personen. Die Polizei ging zu dem Zeitpunkt von 1.100 aus, was eher eine Schätzung als auch nur eine leidlich genaue Zählung gewesen sein dürfte.

Etwa vierzig Minuten nach dem vorgesehenen Zeitpunkt setzte sich die Demonstration vom Ort der Auftaktkundgebung am Stadthaus, wo Dennis Giemsch, Herbert Schweiger und Gottfried Küssel gesprochen hatten, in Bewegung. Die Verzögerung war im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die Polizei bei der Sicherung der Wegstrecke besonders gründlich sein wollte. Zuvor beziehungsweise zeitgleich hatte es mehrere linksgerichtete Gegenkundgebungen gegeben. Teilnehmer der einen versuchten mit mehreren hundert Mann, in die Nähe unserer Kundgebung vorzudringen, was ihnen vorher vollziehbar polizeilich untersagt worden war. Die Polizei war imstande, diese Vorstöße zu unterbinden; gegen die Verantwortlichen wird es wahrscheinlich Verfahren wegen Verstoß gegen versammlungsrechtliche Auflagen geben.

Auf dem ersten Teil der Wegstrecke war von politischen Gegnern nichts wahrzunehmen. Erst kurz vor der ersten Zwischenkundgebung beglückten sie uns durch ihre Meinungsäußerung; an einer Stelle vier vermutlich noch minderjährige Mädchen, die aus dem Fenster eines Hauses eine Israel-Fahne hängten, und an einer etwas entfernteren Kreuzung eine Ansammlung von vielleicht vierzig oder fünfzig eher gutmenschlich als radikal links aussehende Leute, die sich mit Trillerpfeifen und Parolen bemerkbar zu machen versuchten. Überwiegend blieb es bei dem Versuch, weil unsere Demonstration allein aus zahlenmäßigen Gründen deutlich lautstärker war.

Auf der ersten Zwischenkundgebung sprachen der englische, der bulgarische und der tschechische Kamerad. Ihre Reden wurden jeweils übersetzt.

Auf der zweiten Zwischenkundgebung sprachen der niederländische Kamerad und meine Wenigkeit.

Bis dahin war das Verhalten der Polizei überwiegend korrekt beziehungsweise kooperativ. Schikanöse Behandlung von Teilnehmern scheint es eher nicht aufgrund einer „Weisung von oben“ gegeben zu haben, sondern wohl eher durch einzelne übereifrige Beamte. Unangenehm aufgefallen ist, daß Polizeibeamte ältere Teilnehme, die sich hinten im Zug befangen, aufforderten, ihren Schritt zu beschleunigen und ihnen, als sie dazu nicht imstande oder willens waren, teilweise von hinten in die Hacken traten. Man scheint bei der nordrhein-westfälischen Polizei noch nicht gelernt zu haben, daß die Wahl des Tempos eines Demonstrationszuges unter anderem auch unter das Selbstbestimmungsrecht des Veranstalters über den Ablauf seiner Veranstaltung fällt. Andere Teilnehmer wurden zeitweilig gehindert, den Zug zu verlassen, um eine Gelegenheit zum Austreten zu suchen. Einzelne Polizeibeamte scheinen nicht zu wissen, daß im Lichte des Grundrechts aus Artikel 11 Grundgesetz (Freizügigkeit) es jedem Teilnehmer freisteht, eine Versammlung zu verlassen und wieder zu ihr zurückzukehren, wann immer es ihm beliebt. Niedlich war ein Polizeibeamter, der mich an dem erwähnten Engpaß sogar unter eigenem körperlichen Einsatz an der von mir angestellten Zählung hindern wollte, indem er nach erfolgloser Aufforderung versuchte, mich in den Zug hineinzudrücken. Die Zählung konnte er damit nicht beeinflussen, weil der ganze Zug bis auf eine letzte Gruppe von vierzig Teilnehmern inzwischen an mir vorbeigezogen war.

Dies alles waren also eher Kleinigkeiten, wie sie durch Fehlverhalten vornehmlich einzelner Polizisten wohl bei jeder größeren Demonstration vorkommen und von der ganz überwiegenden Masse der Teilnehmer nicht einmal wahrgenommen werden.

Repressiver aber wurde es ca. 200 Meter vor dem angemeldeten und polizeilich bestätigten Endpunkt der Demonstration. Aus Gründen, die bisher wohl niemand weiß, sperrte die Polizei dort die Straße. Vielleicht war es einfach mangelnde Ortskenntnis; vielleicht wollte man auch dem Ende zu mal ein wenig die Muskeln spielen lassen. Nachdem eine Intervention des Versammlungsleiters zu keinem Erfolg führte und die vor allem aus radikalen Kräften bestehende Spitze des Zuges lange genug gewartet hatte, führte diese Repression zu einer mehr oder minder sportlichen Drängelei, wobei die Polizei sich sehr bemühte, sich von den Teilnehmern nicht an Sportlichkeit überbieten zu lassen. Dabei kam es letztlich auch zu kleineren Auseinandersetzungen; auf der einen Seite flogen Böller und Flaschen, auf der anderen Seite wurde von staatseigenem Pfefferspray Gebrauch gemacht. Die Polizei berichtet von 16 Beamtinnen und Beamten, die durch Flaschenwürfe oder Böller verletzt worden seien. Über die genaue Zahl verletzter Demonstrationsteilnehmer ist nichts bekannt; ich persönlich habe etwa ein halbes Dutzend beobachtet, jedoch mögen es vielleicht auch mehr gewesen sein, weil man ja seine Augen nicht überall haben kann. Schwerer wiegende Verletzungen, die eine krankenhausärztliche Behandlung erforderlich gemacht hätten, scheint es auf keiner Seite gegeben zu haben. Somit sprach dannauch der Polizeibericht von einem trotz einiger Zwischenfälle „ruhigen Verlauf“.

Die Gegendemonstrationen sollen nach Polizeiangaben 3.000 Teilnehmer gehabt haben. Vermutlich sind dabei aber sehr viele mehrfach gezählt worden; denn etliche hundert von ihnen zogen mehr oder minder vagabundierend von jeweils einer zur nächsten der mehreren angemeldeten Gegenveranstaltungen. Da die mehr gutmenschlich als linksradikal ausgelegte größte dieser Gegenveranstaltungen 1.500 Teilnehmer gehabt haben soll, ist es eine wohl realistische Schätzung, daß es insgesamt nicht mehr als 2.000 Meinungsgegner gewesen sein dürften, die auf der Straße gewesen sind, und damit gerade mal etwa um die Hälfte mehr als wir. Ein Ergebnis, das man natürlich auch unter dem Aspekt bewerten muß, daß diese üblichen „gesellschaftlich relevanten Gruppen“ natürlich über eine Menge Geld und Infrastruktur verfügen, die ihnen die Mobilisierung erleichtern. So gesehen, waren sie in Wirklichkeit nicht stärker als wir.

Fazit:
Der Antikriegstag in Dortmund hat sich mit dieser vierten Veranstaltung in Folge wohl endgültig als ein fester Termin auf der nationalen Agenda etabliert. Die kontinuierliche Aufbauarbeit zeitigte erfreuliche Wirkung. An Organisation und Ablauf gab es nicht ernsthaft etwas auszusetzen. Vereinzelt beklagten Teilnehmer die lange Dauer. Dies lag außer der erwähnten relativ kurzen Verzögerung beim Abmarsch an der langen Wegstrecke (fast sechs Kilometer) und auch daran, daß Reden, die übersetzt werden, natürlich doppelt so lange dauern, wie wenn eine Rede nicht übersetzt werden muß. Beifällig wurde aufgenommen, daß die Organisatoren eine Vielzahl von Versammlungshilfsmitteln vorgehalten haben; es mögen fast 100 schwarz-weiß-rote Fahnen und nahezu ebensoviele Trageschilder mit Plakaten gewesen sein. Vorteilhaft war auch, daß das Wetter angenehm war; mild und trocken. Letztlich also eine rundum erfolgreiche und befriedigende Aktion.

Hamburg, den 7. September 2008
Christian Worch


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