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Idunn

Idunn, Sif und andere Göttinnen

Die junge Göttin: Idunn
 

Über Idunn erzählt die Edda wenig. Sie ist die Gärtnerin der heiligen Äpfel, die den Göttern ewige Jugend geben, selbst sehr jung und die Frau des Dichtergottes Bragi, der eine Gestalt Odins ist. Ein Mythos handelt davon, daß sie vom Jöten Thjasi entführt wird. Dieser hat zuvor Loki gefangen und gezwungen, sie ihm auszuliefern. Loki ist es aber auch, der sie befreit. Er ziegt Freyjas Falkenhemd an, verwandelt Idunn in eine Nuß und trägt sie im Schnabel zurück. Apfel und Nuß symbolisieren kommendes Leben. Idunn, die Jugendgestalt der Göttin allen Lebens, ist damit auch eine Göttin der Wiedergeburt und desWeiterlebens in kommenden Generationen. Ihre geringe Rolle in der Edda geht darauf zurück, daß sie keine Göttin der Männer ist, die die Edda-Lieder dichteten, sondern die Schützerin und Führerin der jungen Frauen und Mädchen, die sie in die Mysterien der Großen Göttin einweiht.
 

Das Geheimnis der heiligen Äpfel
 

Der Schlüssel dazu ist ihre heilige Frucht, der Apfel. Er spielt eine wichtige Rolle in den weiblichen Mysterien, wie der Name der Druidinnen-Insel Avalon („Apfelland”) sagt, die in Griechenland als Insel der Hesperiden bekannt war, deren Äpfel– wie die Idunns –neue Jugend geben. Wahrscheinlich ging die Verehrung Idunns von den Druidinnen des historischen Avalon aus, das bei Glastonbury oder auf der Kanalinsel Sein vermutet wird. Ins mythische Avalon wurde König Artus nach seinem Tod entrückt, um wiedergeboren zu werden, wenn sein Volk seine Hilfe braucht. Die Äpfel Avalons sind Früchte der Wiedergeburt, der sexuellen Energie und der Einweihung. Daher wurde die „Frucht” der Bibel, mit der Eva den Adam verführt, im Norden als Apfel gedeutet: Er wächst auf dem Baum der Erkenntnis.
 

Die Göttin der Familie: Sif
 

Sif (wörtlich „Sippe”) ist die Frau von Thor und die Schützerin der Familie und ihrer Lebensgrundlagen, die unsere Vorfahren im reifen Getreide symbolisierten. Sif hat daher Haar aus Gold, das die Alben fertigten, die auch Thors Hammer und Odins Speer und Ring schmiedeten. Sonst berichtet die Edda nicht viel über sie, wohl ebenfalls, weil sie wie Idunn eine Göttin der Frauen ist. Sif wird gemeinsam mit Frigg in Ehe- und Familienangelegenheiten angerufen.
 

Disen und Walküren
 

Die Disen und Walküren stehen mit den Totengeistern in Verbindung. Als Disen (nord. Disir) bezeichnen wir alle weiblichen Geistwesen, die keine Göttinnen sind, z.B. Natur- oder Ahnengeister. Denen, die als Naturgeister die Wachstumskräfte der Erde fördern, galt das nordische Disablót, das Mitte Oktober gefeiert wurde. Ursprünglich scheint der Name Disen oder altgermanisch Idisen nur die weiblichen Ahnengeister bezeichnet zu haben.
 


 

Die Walküren (Valkyrjar) sind die Disen der Krieger, die ihnen bei ihrem Tod erscheinen und ihre Geister zu Odin bringen. Die Fylgja, der Ahnengeist einer Familie, erschien in den alten Kriegerclans als Walküre. Im Gefolge Odins machen die Walküren in der Edda eine bedeutende Wandlung durch – Sie werden (und darin liegt heute ihre Bedeutung) zu Geisthelferinnen der Männer, die dem spirituellen Weg Odins folgen: Sigrdrifa, die von Sigurd erweckt wird, weiht ihn in einige Aspekte der Runenweisheit ein. Göttinnen in altgermanischer Zeit
 

Von den Göttinnen, die hier näher beschrieben sind, wurden in altgermanischer Zeit vor allem Frija oder Frea, die mit Frigg und Freyja identisch sind, Nerthus und Ostara sowie die Disen verehrt. Auch Hel ist unter dem Namen Hella bezeugt. Die Erdgöttin wurde auf Gotisch einfach "Erde" (Erca) genannt, auf Althochdeutsch heißt sie Hludana, was dem nordischen Namen Hloðyn entspricht, oder Huldana, die Huldreiche. Aus Huldana wurde die Frau Holle des Märchens, das auf einen weiblichen Einweihungsritus zurückgeht. Ein weiterer Name für sie, Tamfana, weist sie als Spenderin der Fülle (gotisch thamba) aus. Eine im südgermanischen Raum verehrte Göttin, die mit Frigg gleichgesetzt wird, ist Berchta oder Pertha – ein Name, der mit der Rune Perthro und engl. birth (Geburt) zusammenhängt.
 

Die dreifaltige Muttergöttin
 

Im germanisch-keltischen Grenzraum an Rhein und Donau war es auch verbreitet, die Große Göttin nach keltischer Tradition als dreifaltige Gottheit anzurufen. Lateinische Inschriften auf Steinaltären im römischen Stil nennen diese Göttinnendreiheit die Matrones (Mütter) mit germanischen Beinamen wie Alagabiae (Allgebende), Afliae (Kraftspendende), Arvagastiae (Gastfreundliche) usw. Das sind rituelle Anrufungen der Dreiheit. Ein anderer Begriff, Vatviae, hängt mit dem Wasser zusammen und bezeichnete Quellgottheiten. Wenig bekannt ist über die durch einen Kult in Oberösterreich bezeugten Vibes, die von romanisierten Kelten verehrt wurden, aber wohl einen germanischen Namen ("Weiber", damals nicht wertend) tragen.
 

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